Recknagel, Hermann Wilhelm Adolf Philipp

 

* 18. Juli 1892, Strauchmühle an der Lempe / Hessen

† 23. Januar 1945, bei Petrikau (gefallen)

 

 

Hermann Recknagel trat am 25. September 1913 als Fahnenjunker in die kaiserliche Armee ein. Der jüngste Sohn vom Gutspächter Adolf Recknagel und seiner Frau Maria, geborene von Hof, kam dabei zum 3. Kurhessische Infanterie-Regiment “von Wittich“ Nr. 83 in Kassel. Am 20. Mai 1914 wurde er zum Fähnrich befördert. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er am 6. August 1914 zum Leutnant befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 28. Januar 1913 datiert. Als solcher kam er dann als Zugführer im 3. Kurhessische Infanterie-Regiment “von Wittich“ Nr. 83 an die Front, wo das Regiment anfangs bei Namur eingesetzt wurde. Bereits Ende August 1914 wurde er mit seinem Regiment an die Ostfront verlegt. Ab 1915 wurde er auch schon als Kompanieführer in seinem Regiment eingesetzt. Vom 2. bis zum 7. Februar 1917 besuchte er einen Ausbildungskurs am Maschinengewehr. Erst im Herbst 1917 kam das Regiment wieder an die Westfront. Am 18. April 1918 wurde er zum Oberleutnant befördert. Im 1. Weltkrieg wurde er nicht nur mehrmals verwundet, was sich in der Verleihung des Verwundetenabzeichens in Silber widerspiegelte. Im Ersten Weltkrieg wurde er neben beiden Eisernen Kreuzen noch mit einigen anderen Orden ausgezeichnet. Er ging nach dem Krieg anfangs zum Freikorps Maercker, welches auch als Landesjägerkorps bezeichnet wurde. Damit war er an der Niederschlagung des Spartakusaufstandes in Berlin beteiligt. Im Juni 1919 wurde er in das vorläufige Reichsheer übernommen. Dabei kam er zuerst zum Stab der Reichswehr-Brigade 16 in Weimar. Am 1. Oktober 1919 wurde er dann zum Reichswehr-Infanterie-Regiment 32 der Reichswehr-Brigade 16 versetzt. Diesem gehörte er auch noch bei der Bildung des 200.000 Mann Heeres der Reichswehr im Frühjahr 1920 an. Er trug jetzt bereits das Sportabzeichen in Bronze. Bei der Bildung des 100.000 Mann Heeres der Reichswehr wurde er am 1. Oktober 1920 als Kompanieoffizier in das 12. Infanterie-Regiment übernommen. Am 1. Oktober 1921 wurde er als Batterieoffizier zum 4. (Preußisch-Sächsischen) Artillerie-Regiment nach Dresden versetzt. Von dort wurde er zur Führergehilfenausbildung kommandiert. Am 1. Oktober 1922 wurde er etatmäßig wieder zum 12. Infanterie-Regiment versetzt, blieb aber weiter zur Führergehilfenausbildung kommandiert. Vom 26. Februar 1923 bis zum 28. April 1923 besuchte er einen Lehrgang für leichte Maschinengewehre. Im Frühjahr 1923 gehörte er zur 12. (MG) Kompanie vom 12. Infanterie-Regiment in Magdeburg. Am 1. November 1923 wurde er zum Regimentsadjutant vom 12. Infanterie-Regiment in Halberstadt ernannt. Diese Position übte er dann mehrere Jahre aus. Am 28. Oktober 1924 hat er die zehneinhalb Jahre jüngere Carola von Hertzberg in Beulfeld bei Saalfeld/Saale geheiratet. Etwa zu dieser Zeit legte er auch die Prüfung zum Sportabzeichen in Silber ab. Am 11. September 1926 wurde sein Sohn Rüdiger Recknagel geboren. Am 1. Oktober 1926 wurde er als Regimentsadjutant zum Hauptmann befördert. Vom 18. Februar 1928 bis zum 4. März 1928 besuchte er einen Lehrgang für Leibesübungen. Am 4. März 1928 wurde seine Tochter Karin Recknagel geboren. Am 1. April 1928 wurde er dann zum Chef der 14. (Preuß.) Kompanie des Ausbildungs-Bataillons vom 12. Infanterie-Regiment in Halberstadt ernannt. Am 1. Oktober 1930 wurde er dann zum Chef der 7. Kompanie vom 12. Infanterie-Regiment in Quedlinburg ernannt. Diese Position behielt er dann wieder einige Jahre. Am 7. April 1931 wurde sein Sohn Ekkehard Recknagel geboren. Am 30. August 1933 wurde sein Sohn Wolf Recknagel geboren. Am 15. Dezember 1933 wurde er zum Regimentsnachrichtenoffizier ernannt. Am 1. August 1934 wurde er als solcher zum Major befördert. Als solcher wurde er bei der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht am 1. Oktober 1934 zum Kommandeur des II. Bataillons vom Infanterie-Regiment Glogau ernannt. Bei der Enttarnung der Einheiten wurde er am 15. Oktober 1935 zum Kommandeur des II. Bataillons vom Infanterie-Regiment 54 in Glogau ernannt. Am 1. März 1937 folgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. Vom 16. Juni 1937 bis zum 26. Juni 1937 besuchte er einen Lehrgang für Bataillonskommandeure an der Infanterieschule. Seine letzte Friedensadresse war die Lindenruherstraße 11a in Glogau mit der Rufnummer 2178. Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg wurde er am 26. August 1939 als Nachfolger von Oberst Werner Richter zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 54 ernannt. Dieses Regiment führte er jetzt als erstes im Verband der 18. Infanterie-Division im Polenfeldzug ins Gefecht. Danach trug er bereits beide Spangen zu seinen Eisernen Kreuzen. Am 1. Februar 1940 wurde er zum Oberst befördert. Danach führte er sein Regiment als nächstes im Frühjahr 1940 in den Westfeldzug. Am 8. Juni 1940 wurde er namentlich im Wehrmachtsbericht genannt. Für seinen persönlichen Einsatz und für die Erfolge seines Bataillons beim Kampf um Dünkirchen wurde er am 5. August 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Mit seinem Regiment verlegte er dann im Herbst 1940 zum Truppenübungsplatz Döllersheim, da das Regiment aus dem Verband der 18. Infanterie-Division bei deren Motorisierung herausgelöst wurde. Sein Regiment wurde jetzt in die 100. leichte Infanterie-Division eingegliedert. Ab Juni 1941 kämpfte er mit seinem Regiment im Divisionsverband im Südabschnitt der Ostfront in Rußland. Dabei wurde er am 15. Juli 1941 vor Winniza verwundet wurde. Er musste deswegen ins Lazarett und sein Komando über das Infanterie-Regiment 54 abgeben. Nach seiner Genesung wurde er am 1. Januar 1942 als Nachfolger von Generalleutnant Otto Stapf mit der Führung der 111. Infanterie-Division beauftragt. Auch diese befand sich im Südabschnitt der Ostfront. Am 1. März 1942 wurde er zum Generalmajor befördert, wodurch er an diesem Tag auch zum Kommandeur der 111. Infanterie-Division ernannt wurde. Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Eugen Ott: "Klarer vornehmer Charakter, energisch und zielbewusst, ausgesprochene Führernatur. Tätig und anregend, besonders angesehen in der Truppe. Hervorragend feindbewährt. Bewertung: Füllt sehr gut aus." Am 8. April 1942 wurde sein Rangdienstalter als Generalmajor auf den 1. April 1942 festgelegt. Am 11. April 1942 ergänzte Generaloberst Hermann Hoth: "Einverstanden. Über Bewährung als Divisionskommandeur noch kein abschließendes Urteil." Am 30. April 1942 ergänzte Generalfeldmarschall Fedor von Bock: "Einverstanden." Im Sommer 1942 marschierte er mit seiner Division in Richtung Kaukasus. Am 11. Februar 1943 wurde ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Am 6. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Flieger Hellmuth Felmy: "Führerpersönlichkeit, Entschlusskraft und Verantwortungsfreude zeichnet ihn aus. Bewertung: Füllt sehr gut aus. Über Durchschnitt." Am 10. März 1943 folgte seine Beförderung zum Generalleutnant. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. März 1943 festgelegt. Am 14. April 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Infanterie Karl-Adolf Hollidt: "Sehr guter Erzieher und Ausbilder, erfolgreicher und bewährter Truppenführer." Am 16. April 1943 ergänzte Generalfeldmarschall Erich von Manstein: "Sehr guter Divisionskommandeur. Zuerkennung der Eignung zum Kommandierenden General wegen zu kurzer Unterstellung nicht möglich." Am 15. August 1943 wurde er mit der Führung der nach ihm benannten Korpsgruppe Recknagel beauftragt. Diese bestand aus der eigenen 111. Infanterie-Division, der 17. Infanterie-Division, der 336. Infanterie-Division, 15. Luftwaffen-Felddivision, und Teilen der 13. Panzer-Division die sich unter der 6. Armee am Asowschen Meer in einer prekären Lage befunden haben. Er schaffte es aber sich mit seinen Einheiten aus der Umklammerung zu befreien. Am 31. August 1943 gab er sein Kommando wieder ab und übernahm wieder die 111. Infanterie-Division. Sein Stellvertreter, Oberst Werner von Bülow, wurde inzwischen vermisst. Für seine Leistung mit der Korpsgruppe wurde ihm am 6. November 1943 das Eichenlaub zum Ritterrkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 15. November 1943 wurde er in die Führerreserve OKH versetzt. Dabei wurde er dem Wehrkreis VIII zugeteilt. Von diesem wurde er am 15. November 1943 zum Sonderstab I des Oberkommando des Heeres (OKH) kommandiert. Dabei handelte es sich um die Operationsabteilung Ost des OKH. Am 18. November 1943 erhielt er folgende Beurteilung von General der Artillerie Erich Brandenberger: "Hat seine Division bis zum letzten Mann seinen Stempel aufgedrückt. Bereits wiederholt als Führer einer Divisionsgruppe eingesetzt, hat dabei sehr gut geführt. Starke Persönlichkeit, die überall durchschlägt und volles Vertrauen gewinnt. Rücksichtsloser eigener Einsatz. Empfehlung: Kommandierender General." Dazu ergänzte am 29. November General der Panzertruppen Hans-Valentin Hube: "Überragender Divisionskommandeur. Volle Eignung zum Kommandierenden General." Am 4. Dezember 1943 ergänzte dann noch Generalfeldmarschall Erich von Manstein: "Einverstanden." Diesen Sonderstab I leitete er dann bis zum Ende der Kommandierung am 25. Februar 1944. Er wurde durch Generalleutnant Heinrich Krampf abgelöst. Vom 9. März 1944 bis zum 20. März 1944 wurde er in Vertretung für General der Artillerie Maximilian Fretter-Pico mit der stellvertretenden Führung vom Generalkommando XXX. Armeekorps beauftragt. Er organisierte dabei eine neue Stellung am südlichen Bug. Am 28. April 1944 wurde er dann als Urlaubsvertreter von General der Infanterie Franz Mattenklott mit der Führung des XXXXII. Armeekorps z.b.V. im Bereich der Heeresgruppe Nordukraine im Raum Kowel beauftragt. Diesen Stab erreichte er am 7. Mai 1944. Am 13. Mai 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generaloberst Karl-Adolf Hollidt: "Generalleutnant Recknagel hat in Vertretung des Kommandierenden Generals vom XXX. Armeekorps im Februar 1944 und März 1944 die Bugverteidigung organisiert und die Aufnahmestellung für die ostwärts des Bugs kämpfende 6. Armee geschaffen. Mit nur schwachen ihm zur Verfügung stehenden Kräften hat er in kurzer Zeit eine sichere Front aufgestellt und in rastloser Arbeit wieder kampffähige Verbände gebildet. Er zeichnete sich durch hervorragende Organisiationsgabe, durch ausgezeichnete Truppenpraxis und durch persönliche Einsatzfreudigkeit aus. Seine Einwirkung auf die neuaufgestellten Verbände und die behelfsmäßig organisierten Einheiten brachte materiell und moralisch den besten Erfolg. Recknagel hat erneut seine gute Eignung zum Kommandierenden General eines Armeekorps dargetan." Die Vertretung dauerte bis zum 6. Juni 1944 an. Da General der Infanterie Franz Mattenklott bereits nach wenigen Tagen das Kommando wieder an ihn übergab, blieb er beim XXXXII. Armeekorps z.b.V. und wurde ab Mitte des Monats wieder mit der Führung beauftragt. Am 1. Juli 1944 wurde er zum General der Infanterie befördert. Dadurch wurde er jetzt auch zum Kommandierenden General vom XXXXII. Armeekorps z.b.V. ernannt. Ab dem 19. Juli 1944 wurde er durch die Umbenennung seines Generalkommandos zum Kommandierenden General vom Generalkommando XXXXII. Armeekorps ernannt. Am 19. August 1944 wurde er erneut namentlich im Wehrmachtsbericht genannt. Am 9. September 1944 wurde er wieder namentlich im Wehrmachtsbericht genannt. Für die Abwehrerfolge seines Korps auf dem Balkan wurde er am 23. Oktober 1944 mit den Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub ausgezeichnet. Vom 6. November 1944 bis zum 15. November 1944 war er abwesend von seinem Kommando um die Schwerter zu empfangen und danach einen kurzen Urlaub anzutreten. Am 12. Januar 1945 brach eine große Offensive der Roten Armee über die gesamte Front herein. Der Abschnitt seines Korps wurde dabei östlich von Kielce durchbrochen. In den folgenden Tagen wurde ein Großteil seiner unterstellten Verbände zerschlagen. Während der Rückzugskämpfe ist er am 23. Januar 1945 in einer Ortschaft zwischen Petrikau und Tomaszów Mazowiecki von Partisanen erschossen wurden.


Ritterkreuz (5. August 1940) Eichenlaub (6. November 1943) Schwerter (23. Oktober 1944)

 

Literatur und Quellen:
BArch, MSG 109/4919 : Krug, Ottomar: Deutsche Generale 1867-1945
Dienstaltersliste der Offiziere der königlich Preußischen Armee und des XIII. (königlich  Württembergischen) Armeekorps 1917, Mittler und Sohn 1917
Dienstaltersliste der Offiziere der bisherigen Preußischen Armee und des XIII. (bisherigen Württembergischen) Armeekorps 1919, Mittler und Sohn 1919
Stellenbesetzung im Reichsheer 16. Mai 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1920, Biblio-Verlag 1968
Stellenbesetzung im Reichsheer 1. Oktober 1921, Biblio-Verlag 1968
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1923, Berlin, Mittler und Sohn 1923
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. April 1924, Berlin, Mittler und Sohn 1924
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1925, Berlin, Mittler und Sohn 1925
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1926, Berlin, Mittler und Sohn 1926
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1927, Berlin, Mittler und Sohn 1927
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1928, Berlin, Mittler und Sohn 1928
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1929, Berlin, Mittler und Sohn 1929
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1930, Berlin, Mittler und Sohn 1930
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1931, Berlin, Mittler und Sohn 1931
Rangliste des Deutschen Reichsheeres. Nach dem Stande vom 1. Mai 1932, Berlin, Mittler und Sohn 1932
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. Mai 1933
Stellenbesetzung des Deutschen Reichsheeres nach dem Stand vom 1. April 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 1. Oktober 1934
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938

Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955 
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Gerhard von Seemen: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Podzun-Verlag, Friedberg 1976
Horst Scheibert: Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und Silber, 2 Bände, Verlag Podzun-Pallas, 1983 und 1990

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