Seidel, Erich Paul
| * 10. März 1900, Berlin † 11. April 1945, in der Nähe von Dobel bei Pforzheim (gefallen)
BArch Pers 6/1819 1936 als Hauptmann |
BArch Pers 6/300607 |
Erich Seidel war der Sohn des Gastwirts Paul Karl Reinhold Seidel und dessen Ehefrau Johanne Friederike, geborene Nolle. Sein Vater starb am 8. Dezember 1913 im Alter von 44 Jahren in Berlin. Seine Mutter starb am 27. Juni 1917 ebenfalls in Berlin. Nach dem Erlangen der Obersekundareife an der Jahn-Realschule in Berlin trat er noch während des 1. Weltkrieges am 21. Juni 1918 in die Königlich Preußische Armee ein. Er kam dabei als Musketier zur 6. Kompanie des Ersatz-Bataillons vom Infanterie-Regiment Nr. 31. Am 24. September 1918 wurde er zur 2. Kompanie vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 31 der 18. Reserve-Division an die Front versetzt. Bei Ende des 1. Weltkrieges wurde er am 24. Dezember 1918 nach Berlin entlassen.
Am 29. Oktober 1919 trat er in die Sicherheitswehr Berlin ein und wurde zum Hilfswachtmeister befördert. Am 6. Dezember 1919 erfolgte sein Gelöbnis durch Handschlag. Am 27. Oktober 1920 wurde er auf die Reichsverfassung vereidigt. Es folgte am 1. Februar 1921 seine Befürderung zum Unterwachtmeister. Auf die preußische Verfassung wurde er am 1. Juni 1921 vereidigt. Am 7. März 1924 absolvierte er die Wachtmeisterprüfung, woraufhin er am 29. März 1924 zum Wachtmeister befördert wurde. Am 12. November 1925 absolvierte er die Polizei-Oberwachtmeisterprüfung, woraufhin er am 19. Dezember 1925 zum Wachtmeister befördert wurde. Am 9. Januar 1926 wurde er zur Schutzpolizei Düsseldorf versetzt. Er heiratete am 9. Oktober 1926 die nur sieben Wochen jüngere Buchhalterin Hertha Hedwig Anna Emma Braun, Tochter des Oberpostsekretärs Wilhelm Braun, in Berlin. Er wohnte damals privat in der Tannenstraße 24 in Düsseldorf. Ab dem 20. September 1927 absolvierte er einen Lehrgang an der Polizeischule für Leibesübungen in Spandau. Als nächstes besuchte er ab dem 21. Dezember 1927 einen Lehrgang an der höheren Polizeischule in Eiche. Am 26. März 1929 wurde er zum Polizei-Leutnant befördert. Sein einziger Sohn Jürgen Seidel wurde am 28. März 1929 in Mönchen-Gladbach geboren. Am 29. April 1929 wurde er zur Polizei-Verwaltung Recklinghausen versetzt. Seine einzige Tochter Ingelore Seidel wurde am 5. April 1930 in Gladbeck in Westfalen geboren. Seine Beförderung zum Polizei-Oberleutnant erfolgte am 1. April 1932. Am 29. September 1932 wurde er zu einem Lehrgang an die Polizeischule Münster kommandiert. Seine Übernahme in die Landespolizei erfolgte am 1. August 1933. Vom 5. November 1933 bis zum 3. Dezember 1933 absolvierte er einen Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz Sennelager. Ab dem 31. Januar 1934 wurde er zu einem Lehrgang für Führer von Nachrichtenzügen kommandiert. Am 1. April 1934 wurde er zur Landespolizei-Abteilung Wuppertal versetzt. Vom 9. April 1934 bis zum 30. Juni 1934 wurde er zur Ausbildung als Nachrichten-Offizier zu einem Lehrgang beim 18. Infanterie-Regiment kommandiert. Am 24. April 1934 wurde er zum Luftschutzoffizier der Landespolizei Wuppertal ernannt. Es folgte am 29. Juni 1934 seine Ernennung zum Nachrichtenoffizier der Landespolizei Wuppertal. Am 25. August 1934 erfolgte seine Vereidigung auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Am 1. Juli 1935 wurde er zum Hauptmann der Landespolizei befördert. Sein Patent wurde dabei auf den 1. August 1934 datiert. Als solcher wurde er am 1. Oktober 1935 zur Landespolizei Köln versetzt. Dort wurde er zum Nachrichtenoffizier der Landespolizeigruppe Köln ernannt. Im Zuge der Remilitarisierung des Rheinlandes wurde er am 16. März 1936 als Hauptmann in die Wehrmacht übernommen. Bei dieser Überführung in das Rechtsverhältnis eines Soldaten wurde er als Hauptmann beim Regimentsstab dem Infanterie-Regiment 78 zugeteilt. Er wurde jetzt auch als Soldat auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler vereidigt. Am 28. Mai 1936 hat er ein Rangdienstalter als Hauptmann vom 1. August 1934 (23 o 1) zugewiesen bekommen. Am 6. Oktober 1936 wurde er zum Regimentsstab vom Infanterie-Regiment 77 am vorläufigen Standort Köln versetzt. Am 12. Oktober 1937 wurde er als Nachfolger von Hauptmann Gottfried Kehrig zum Chef der 3. Kompanie vom Infanterie-Regiment 77 in Bonn ernannt. Er wohnte jetzt privat einige Jahre im Bonnertalerweg 84 in Bonn und hatte dort die Telefonnummer 7983. Vom 12. Juni 1939 bis zum 22. Juli 1939 wurde er zur Kriegsschule Dresden kommandiert. Bei der Mobilmachung für den 2. Weltkrieg wurde er Ende August 1939 zum Kommandeur des III. Bataillons vom Infanterie-Regiment 236 ernannt. Mit seinem Bataillon wurde er im Verband der 69. Infanterie-Division an der Westfront eingesetzt. Am 20. April 1940 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1940 (106) zum Major befördert. Kurz darauf führte er sein Bataillon im Divisionsverband beim Unternehmen Weserübung nach Norwegen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 6. Mai 1940 verliehen. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde ihm bereits am 29. Mai 1940 verliehen. Sein Bataillon verblieb nach der Besetzung Norwegens als Besatzungstruppe in Südnorwegen. Am 5. Februar 1941 erhielt er folgende Beurteilung von Oberstleutnant Kaspar Völker, Führer vom Inf.Rgt.236: "Gefestigter Charakter. Energisch und zielsicher. Gute taktische Kenntnisse. Sehr pflichteifrig und verantwortungsfreudig. Gute dienstliche Leistungen. Vor dem Feinde bewährt. Bewertung: Füllt seine Stelle sehr gut aus. Empfehlung: Muß noch einige Erfahrungen sammeln." Dazu ergänzte am 24. Februar 1941 Generalmajor Hermann Tittel, Kdr. der 69. Inf.Div.: "Einverstanden. Hat sich sehr gut entwickelt." Am 1. April 1942 erhielt er folgende Beurteilung von Oberst Xaver Adlhoch, Kdr. vom Inf.Rgt.236: "Aufrechte, gerade Persönlichkeit. Praktischer, erfahrener und bewährter Bataillons-Kommandeur. Besitzt Führereigenschaften. Vor dem Feind gut bewährt. Bewertung: Füllt seine Stelle gut aus." Dazu ergänzte am 5. April 1942 Generalmajor Bruno Ortner, Kdr. der 69. Inf.Div.: "Ein sehr bewährter Bataillonskommandeur." Am 8. April 1942 wurde er mit Wirkung vom 1. April 1942 (735) zum Oberstleutnant befördert. Am 18. November 1942 wurde er mit Wirkung vom 10. Oktober 1942 zum Kommandeur vom Infanterie-Regiment 236 ernannt. Durch die Umbenennung seines Regiments wurde er nur wenige Tage später zum Kommandeur vom Grenadier-Regiment 236 ernannt. Kurz darauf wurde er mit seinem Regiment im Divisionsverband der 69. Infanterie-Division an die Ostfront transportiert. Dort führt er es anfangs am Wolchow im Nordabschnitt der Ostfront. Am 9. März 1943 erhielt er folgende Beurteilung von Generalleutnant Bruno Ortner, Kdr. der 69. Inf.Div.: "Aufrechter, gerader Charakter, pflichteifrig und verantwortungsbewusst. Positiver Nationalsozialist. Führt sein Regiment im Osteinsatz mit ruhiger und fester Hand und gutem taktischen Verständnis. Geistig sehr rege, körperlich voll leistungsfähig. Starke Seiten: Stets ruhig und zuversichtlich. Schwache Seiten: Nicht hervorgetreten. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Belassung in der bisherigen Dienststellung." Dazu ergänzte am 24. März 1943 General der Artillerie Herbert Loch, KG vom XXVIII. Armeekorps: "Mit der Beurteilung einverstanden. Oberstleutnant Seidel hat infolge des Einsatzes seines Regiments an einer ruhigen Abwehrfront bisher noch keine Gelegenheit gehabt, sein militärisches Können als Regiments-Kommandeur unter Beweis zu stellen." Am 22. April 1943 reichte das Generalkommando XXVI. Armeekorps einen Vorschlag zur vorzugsweisen Beförderung für ihn beim Heeres-Personalamt (HPA) ein. Ausgegangen war er von seiner Division, wobei Generalleutnant Bruno Ortner, Kdr. der 69. Inf.Div, folgende Begründung lieferte: "Oberstleutnant Seidel hat im bisherigen Einsatz sowohl im Stellungskrieg als auch während der Kämpfe im Pogostje-Einbruchsraum und südlich Karbussel sein Regiment mit vorbildlicher Ruhe und fester Entschlossenheit und persönlichem Mut erfolgreich geführt. Seidel hat sich zu einem sehr guten Regimentskommandeur entwickelt. Regimentskommandeur seit dem 10.10.42." Dazu ergänzte General der Infanterie Ernst von Leyser, KG vom XXVI. Armeekorps: "E i n v e r s t a n d e n !" Daraufhin wurde er am 20. Mai 1943 (Verfügung vom 10. Juni 1943) mit Wirkung vom 1. Mai 1943 (4a3) zum Oberst befördert. Das Deutsche Kreuz in Gold wurde ihm am 26. September 1943 verliehen. Am 1. Juni 1944 erhielt er folgende Beurteilung von Generalmajor Sigfried Rein, Kdr. der 69. Inf.Div.: "Aufrechter, tadelloser Charakter. Energisch und zielbewußt. Pflichteifrig. Ruhig. Positiver Nationalsozialist; überträgt diese Einstellung auf sein Regiment. Vor dem Feinde, auch im Nahkampf, bewährt. Führt ein Regiment überlegt und sicher. Gutes taktisches Verständnis. Als Regimentskommandeur voll bewährt. Geistig sehr rege, körperlich voll leistungsfähig. Geeignet zur Auffrischung zerschlagener Verbände. Starke Seiten: Stets zuversichtlich. auch in kritischen Lagen. Schwache Seiten: Nicht hervorgetreten. Bewertung: Durchschnitt. Empfehlung: Zum Divisionskommandeur nach Besuch eines Lehrganges geeignet." Dazu ergänzte am 17. Juni 1944 Generalleutnant Dr. Johannes Mayer, stellv. Führer vom L. Armeekorps: "Praktiker! Guter Ausbilder! Im Einsatz nicht bekannt." Am 28. September 1944 wurde er mit Wirkung vom 26. August 1944 in die Führerreserve OKH versetzt. Seinen Dienst regelte der Wehrkreis VI. Sein privater Wohnsitz befand sich inzwischen in Neu-Cüstrinchen über Neu-Rüdnitz im Oderbruch. Am 5. Oktober 1944 wurde er vom 19. Oktober 1944 bis zum 15. November 1944 zum 15. Divisionsführerlehrgang kommandiert. Er wurde dort beim ärztlichen Befund am 20. Oktober 1944 aber als behandlungsbedürftig bezeichnet und der Zeitpunkt seiner Einsatzfähigkeit wurde mit Mitte bis Ende November 1944 geschätzt. Am 27. Oktober 1944 wurde er mit Wirkung vom 1. November 1944 mit der Führung der 257. Volks-Gremadier-Division beauftragt. Am 8. Februar 1945 wurde er mit Wirkung vom 30. Januar 1945 zum Generalmajor befördert. Damit wurde er gleichzeitig auch zum Kommandeur der 257. Volks-Gremadier-Division ernannt. Am 10. April 1945 befand sich sein Gefechtsstand beim Forsthaus von Dobel südöstlich des Ortes. Bei der Fahrt an die vordersten Linien bei der Schwanner Warte wurde Seidel von einem französischen Panzerstoßtrupp überrascht, der versehentlich in einer Lücke der deutschen Verteidiger durchgebrochen war. Nur der Fahrer des Kommandeurs konnte sich durch einen schnellen Sprung aus dem Jeep retten. Die Quellen sprechen vom 10. April 1945. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof Conweiler beigesetzt.
Er hatte aus der am 14. Januar 1898 geschlossenen Ehe seiner Eltern
mindestens noch eine Schwester:
Seine jüngere Schwester war die am 27.
Februar 1904 geborene Gertrud Else Seidel.
Seine Schwester heiratete als Kontoristin am 19. Juni 1926 den über elf Jahre
älteren Verwaltungssekretär Fritz Erich Wolter.
Ritterkreuz (10. September 1944)
Literatur und Quellen:
Krug, Ottomar Deutsche Generale 1918-1945, Bundesarchiv Freiburg, Signatur
MSG 109/10853
Stellenbesetzung Reichsheer 15. Oktober 1935
Stellenbesetzung Wehrmacht 6. Oktober 1936
Stellenbesetzung des Heeres mit Stand vom 12. Oktober 1937
Stellenbesetzung des Heeres 1938
Podzun, H. H. (Hg.): Das Deutsche Heer 1939. Gliederung, Standorte,
Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher Offiziere am 3. Januar 1939, Bad
Nauheim, Podzun 1953
Wolfgang Keilig: Rangliste des deutschen Heeres 1944/1945, Podzun-Verlag 1955
Wolfgang Keilig: Die Generale des Heeres und die Sanitätsoffiziere im
Generalsrang, Podzun-Verlag 1983
Pers 6/1819
Pers 6/300607